Die Menschen sind es.

Aktualisiert: Okt 25

Ich habe mich über einen Artikel sehr geärgert. Eine travelbook-Redakteurin Namens Angelika Pickardt berichtete über ihren Aufenthalt im Juni auf Usedom, der offensichtlich sehr frustreich gewesen sein muss. Nun stehe ich travelbook als Reiseberatungsportal eigentlich sehr positiv gegenüber. So mancher Artikel über Reisegebiete hat mich dort beeindruckt. Zu den weniger gelungenen Inhaltsbeiträgen gehört der Artikel: „Auf Usedom würde ich nicht nochmal Urlaub machen“. Sicher ist es eine persönliche Entscheidung, wo und wann man Urlaub macht. Sicher ist auch, dass es einem an dem einen Ort besser und an einem anderen Ort weniger gut gefällt. Seine eigenen Probleme im Umgang mit Menschen aber zu einer Herabwürdigung einer ganzen Urlaubsregion zu machen ("ich bin leider vielen Menschen begegnet, die sehr unfreundlich waren") und das auch noch zu publizieren, halte ich für unfair und fragwürdig.



Frau Pickardt fühlte sich von einem „Kellner im Restaurant“, von einem „Verkäufer im Tabakladen“ und einer „Imbissbesitzerin am Hundestrand“ unfreundlich behandelt. Das ist mal eine Aussage mit richtig „Tiefgang“. Mir stellt sich die Frage, ob Frau Pickardt nicht ein ganz anderes Problem hat. Wenn doch so viele Menschen so „pampig“ sind, fragt man sich doch, ob da nicht Wahrnehmungsstörungen die wahre Ursache sein könnten? Sicher ist nicht jeder Mensch in jedem Augenblick von einer grenzdebilen Freundlichkeit beseelt. Jeder von uns trifft auch auf Menschen, wo die Chemie einmal nicht stimmt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freundlichkeit grundsätzlich keine Einbahnstraße ist. Wenn mir jedoch öfter „unfreundliche Menschen“ begegnen, lasse ich mich dann doch einmal zu dem Gedanken hinreißen, ob es vielleicht an mir liegen könnte. Dies hat aber sicher auch mit meiner persönlichen Grundeinstellung zum Leben zu tun. Was ich aber in keinem Fall tun würde, eine komplette Region dafür verantwortlich machen.


Guter Journalismus zeichnet sich dadurch aus, dass man bei aller persönlicher Einstellung, eine gewisse Objektivität bei der Berichterstattung wahrt und den Leser dazu anhält, sich seine eigene Meinung zu bilden. Der persönliche „Frustabbau“ ist sicher ein ungeeignetes journalistisches Stilmittel. Wer journalistisch arbeitet, sollte diese Distanz wahren können. Ansonsten ist man für diesen Beruf ungeeignet.


Es mag sein, dass man den Norddeutschen eine gewisse „Verstocktheit“ nachsagt. Jedoch hat sich die Bevölkerungsstruktur auf der Insel Usedom stark gewandelt und es gibt viele „Neu-Insulaner“, die aus anderen Gegenden Deutschlands auf die Insel Usedom gezogen sind (warum wohl ?). Vielleicht waren diese vielen „unfreundlichen Menschen“, denen Frau Pickardt auf der Insel begegnet sein will, ausgerechnet aus ihrer Heimatstadt? Ich kenne die Insel sehr gut und habe bisher nicht den Eindruck gewinnen können, dass die Menschen auf der Insel unfreundlicher oder freundlicher als anderswo sind. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, dass die Menschen auf der Insel Usedom alles tun, um den Gästen einen schönen und erholsamen Sommerurlaub zu ermöglichen und das ist nicht immer einfach.


Die Verkehrsverhältnisse auf der Insel sind verbesserungswürdig. Die Menschen auf der Insel wissen das und würden es sich anders wünschen. Seit Ende des zweiten Weltkrieges wird von Seiten der Politik darüber sinniert, ob die Wiederherstellung der Eisenbahnlinie von Berlin eine deutliche Verkehrsentlastung in der Saison bringen könnte. Natürlich würde das eine entlastende Wirkung haben. Denn es ist schon aus Umweltsicht und auch aus den sich wandelnden Bedürfnissen der Urlauber eine allgemeinverständliche Logik dahinter zu vermuten. Man mag es kaum glauben, aber nunmehr bewegt sich selbst in der Politik etwas. Es wird ein Gutachten erstellt, um die Machbarkeit zu untersuchen. Das ist doch schon mal was. Vielleicht führt es ja zu einer logischen Lösung.


Für Frau Pickardt ist aber die Tatsache, dass Urlauber zur Urlaubszeit, Urlaub in einer Urlaubsregion machen und ihrer Ansicht nach, dafür die verkehrstechnischen Voraussetzungen nicht gegeben sind, ebenfalls ein Urlaubsverhinderungsgrund, den sie der Welt mitteilen muss. Nein, die Autobahn wird nicht an den Kaiserbädern vorbeiführen, auch für Frau Pickardt nicht! Denn der Charme der Insel hat etwas mit der einzigartigen Landschaft zu tun und eben den Menschen, die dort leben.


Liebe Frau Angelika Pickardt,

nachdem Sie nun Ihren persönlichen Rundumschlag gegen die Menschen und die Verkehrsverhältnisse auf der Insel Usedom geführt haben, ist dann zum guten Schluss die Gastronomie dran. Sorry, wenn Sie jeden Tag in die gleiche Imbissbude gehen und dort täglich das gleiche Gericht bestellen, ist es nicht verwunderlich, wenn die eigene Ernährung etwas eintönig wird. Auf der Insel Usedom gibt es ein breites gastronomisches Angebot. Es ist auch nicht überteuert, wie Sie schreiben. Insbesondere in kulinarischer Hinsicht bietet die Insel viele positive Überraschungen für die Gäste. Dafür bedarf es aber der Bereitschaft, sich auch einmal vom Strand wegzubewegen und einer gewissen Neugier, die man als Journalistin (sind Sie doch?) haben sollte.


Ja, Frau Pickardt, es sind die Ideen der Menschen, die der Insel eine Seele geben. Wer natürlich nach Frust sucht, wird ihn auch finden. Egal wo man ist. Von daher wünsche ich Ihnen im Namen der Usedomer für die Zukunft eine gute Reise.

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